Dienstag, 11. September 2007

Lebenszeichen

Heute vor einem Monat bin ich abgeflogen und ich habe mich hier schon echt gut eingelebt. Die 3-woechige Funkstille hatte unter anderem damit zu tun, dass wir hier ne ganze Menge unternommen haben und meine Mitbewohner echt 'n ganz brauchbarer Haufen sind...quark, die sind der WAAAAHNSINN! Es folgt eine kleine Zusammenfassung der letzten Wochen:

Frank war nun weg und ich musste meinen Job allein bewältigen und ich würde glatt behaupten, dass ich das biser ganz gut hinbekommen habe. Für nächste Woche habe ich das ganze Team zum Grillen eingeladen. Aber genug von der Arbeit geredet! ;-)...

Die letzten drei Wochenenden waren nicht minder anstrengend als das erste. Mehrfach Hatfield, Johannesburg, Durban und Lesotho(Sani Pass) und nochmals Johannesburg haben wir hinter uns gebracht und die folgenden Wochenenden werden sich wie folgt gestalten: Oktoberfest in Pretoria & Golfen, Tauchen, Schwimmen, Schnorcheln, Hiken und Quadfahren in St. Luca und am letzten Septemberwochenende gehts in den Krüger Nationalpark!

Ich habe auf biegen und brechen versucht mich an die letzten Wochenenden zu erinnern, aber kann mich bei bestem Willen an die Einzelheiten nicht mehr wirklich erinnern. Also werde ich mich in nächster Zeit zwingen die Dinge immer sofort niederzuschreiben. Aus Christians Bericht, der fälschlicherweise "Lesotho" heißt, lässt sich erkennen, dass wir hier nicht nur feiern, sondern sehr interessiert sind aus dem Land möglichst viele Eindrücke mitzunehmen. Wenn Ihr irgendwelche fragen habt, schreibt es einfach in das Gästebuch!

Am 2. Wochenende waren wir nach zwei Nächten im Hatfield am Sonntag im Voortrekker Monument, dass sich die weißen Siedler hier zum Gedenken an Ihre gefallenen Kameraden und tapferen Frauen errichteten haben, während die hier jede Menge schwarze abgeschlachtet haben. Wenn mich einer fragt, ist das 'ne ganz schön krasse Demütigung für die Farbigen für sowas noch in Denkmal hinzustellen. Aber das spiegelt ungefähr wieder, wie die weißen Afrikaner hier drauf sind und teilweise noch sind.

Eine Woche später sind wir dann nach nur einer Nacht in der Dropzone am Sonntag im Apartheid Musuem. Apartheid war hier die Zeit in der die Rassentrennung im absoluten Mittelpunkt stand und die Schwarzen und restlichen Farbigen per Gesetz dermaßen eingeschränkt wurden, dass es schließlich Anfang der 70er zu ersten Ausschreitungen und in den 80ern zu bürgerkriegähnlichen Zuständen kam, die mit Hilfe von Nelson Mandela zu einem Regierungswechsel und "Gleichberechtigung" führten. Diese "Gleichberechtigung" gibt es nun seit 1994, doch das ist noch lange nicht in den Köpfen der Menschen drin und wird wohl, wenn überhaupt, erst nach mehreren Generationen der Fall sein. Sämtliche staatliche (z.B. Universitäten) und private Arbeitgeber (z.B. BMW) sind verpflichtet entsprechend der Bevölkerungverteilung auch Schwarze anteilig nuter den Mitarbeitern zu beschäftigen. Das führt allerdings dazu, dass schwarze mit weitaus weniger Qualifikationen einem Weißen vorgezogen werden. Grundsätzlich ist das der richtige Weg, um die ehemals ausgegrenzten an ein Leben in Freiheit und Selbstverantwortung heranzuführen. Doch hat es den vorrübergehenden Beigeschmack, dass viele Weiße verärgert sind, weil Sie keinen Job oder Studienplatz bekommen, da sonst der Anteil der Schwarzen unter den Mitarbeitern oder den Studenten nicht passt. So bleiben an den Unis Vorlesungssääle nahezu gähnend leer, weil sich nicht genügend Schwarze angemeldet haben, um noch mehr von den wartenden Weißen annehmen zu können. Dies hat in den letzten Jahren wieder zur Anspannung der Situation geführt. Und der neue Regierungsanführende nach Nelson Mandela kann die Schwarzen leider nicht so vereint zusammenhalten wie Nelson einst selbst. So lange das Land es schafft die nächsten 20 Jahre ohne größere Unruhen und Wirtschaftskrisen zu überstehen, sehe ich eine Chance, dass Schwarze und Weiße hier irgendwann friedlich zusammenleben können.

Die Fahrradtour in Soveto hat dem ganzen noch das i-Tüpfelchen aufgesetzt, da man da nochmals realisiert hat, wie krass unmenschlich die Schwarzen jahrzehnte lang behandelt wurden. Da schadet es gar nicht, wenn die weißen momentan etwas bluten müssen.

Ich lese momentan das Buch "Long Walk to Freedom" von Nelson Mandela, seine Autobiographie! Sehr zu empfehlen und gibt einen guten Einblick in die jüngste Vergangenheit des Landes.

Wir sind gerade vom Kino zurück. Bisher waren wir jeden Dienstag im Kino für ganze 80 Euro-Cent!!! Das macht Kino Spaß.

Ist schon spät und morgen gehts wieder früh raus um 05:30!

Schlaft gut, Hannes

P.S. Ich hoffe ich kann Euch morgen von unserem Durban-Wochenende berichten. Und Links zu den Bilder gibts dann auch!

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